Mit dem Begriff Displayschutzfolie wurde ich erstmals 2003 bewußt konfrontiert. Damals habe ich mir einen PDA mit Navigationsfunktion gekauft. Diesem Gerät lagen 2 Schutzfolien bei. Genau genommen handelte es sich dabei um eine transparente Aufkleberfolie mit removablen (also ablösbaren) Klebstoff der Marke Avery.
Aus der Werbebranche kommend und mit so ziemlich jedem Aufkleber Material vertraut, dass es zu der Zeit am Markt gab, war es für mich ein leichtes herauszufinden, dass diese Folie von Avery niemals als Displayschutzfolie entwickelt wurde. Genau genommen handelte es sich dabei um eine Aufkleberfolie für den Siebdruck, die für den kurzfristigen Einsatz (also z. B. bei Promotions über wenige Monate) angedacht war.
Unabhängig davon hat auch der praktische Nutzen nicht wirklich überzeugt. Die Anbringung war kaum blasenfrei möglich und das Material zerkratzte bei Nutzung des PDA mittels Stylusstift verhältnismäßig schnell. Da ich aber das Gerät nicht ohne Displayschutzfolie nutzen wollte, musste eine Alternative her.
Zu meiner großen Überraschung habe ich bei den großen Herstellern kein Material gefunden, dass speziell als Displayschutzfolie und zum Schutz von Displays entwickelt wurde. Offensichtlich war ich mit diesem Rechercheergebnis nicht der einzige, denn alle am Markt befindlichen Anbieter boten irgendwelche zweckentfremdeten Materialien an.
Zu der Zeit waren es drei Typen von Material die als Displayschutzfolie vertrieben wurden.
- Lackschutzfolie
- Windowcolorfolie
- Aufkleberfolie
Jedes Material für sich hatte natürlich seine Vorteile, wobei mit dem Wissen von heute die Nachteile überwiegten. So wurde die Lackschutzfolie als „selbstheilend“ beworben, die Windowcolorfolie „ohne Klebstoff“ und die Aufkleberfolie als „unsichtbar“.
Etwas später reihte sich noch eine genauso ungeeignete Transportschutzfolie in die Riege als Möchtegern Displayschutzfolie ein. Die sogenannte „Ultra clear“. Dieses Material findet sogar heute noch reißenden Absatz. Der Hersteller verfolgt eine Doppelmoral. Auf der einen Seite schreibt er sinngemäß in seinem technischen Datenblatt, dass das Material nicht als Displayschutzfolie für den Gebrauch während der Nutzung des Gerätes geeignet ist und verbietet jedem Anbieter, seinen „guten Namen“ mit diesem Produkt in Verbindung zu bringen, auf der anderen Seite wird das Material tonnenweise in Form von Foliensets über eBay & Co. als ultra clear vertrieben. Nur mit dem feinen Detail, dass nicht der Hersteller mit dieser Qualität in Verbindung gebracht wird sondern der kleine Händler seinen Namen dafür hergibt.
So verdient dieser Hersteller also doppelt. Im Premiumsegment mit seinem Namen und im Billigsegment über die Namen der kleinen Händler. So funktioniert Wirtschaft, und da vermutlich niemand dazu gezwungen wird, wird diese obskure Strategie wohl auch in Zukunft weiterverfolgt.
So rückständig der deutsche Markt in den letzten Jahren war, so fortschrittlich waren die Asiaten. Als wir uns hier noch mit den zuvor genannten Lackschutzfolien, Ultra Clear Folien, Windowcolorfolien und Aufkleberfolien als Displayschutzfolie getarnt herumschlagen mussten, gab es dort bereits qualitativ sehr gute Displayschutzfolien.
Die bekannteste Displayschutzfolie dürfte von Brando aus Hongkong stammen. Brando steht seit jeher für eine hochwertige Qualität, passgenauen Zuschnitt und saubere Verpackung. Zur damaligen Zeit war es nicht unüblich, dass deutsche PDA-Besitzer sich direkt über den Brando-Onlineshop in Hongkong die Displayschutzfolie für 10-20 Dollar kauften. In Foren habe ich das oft gelesen und für mein Empfinden ist Brando die am öftesten empfohlene Displayschutzfolie in der Community gewesen.
Richtig Schwung bekam die Displayschutzfolie in Deutschland als mein Kompagnion Marc Daniel im Sommer 2005 seine TV Auftritte bei VOX und RTL hatte und Günther Jauch in Stern TV das Geschäft mit der Displayschutzfolie vorstellte.
Viele Verbraucher wußten bis dato noch garnicht das es eine Displayschutzfolie gibt und haben dementsprechend einfach – vielleicht auch aus Neugier – sich eine passende Displayschutzfolie für ihr Handy oder ihre Digitalkamera bestellt. Davon haben übrigens nicht nur wir, sondern der ganze Markt profitiert, wie ich von vielen Wettbewerbern weiß, hatte auch bei denen die Hütte gebrummt
In diesem Interview hat Marc in einem Nebensatz erwähnt, dass wir auch Partner aus dem Ausland in Form eines speziellen Drop-Shipping-Verfahrens beliefern. Diese Randbemerkung hat dazu geführt, dass wir wochenlang täglich persönliche Gespräche mit irgendwelchen im Ausland ansässigen Personen geführt haben, die an einer Kooperation interessiert waren. Man wundert sich, wieviele deutschsprechende Menschen es im Ausland gibt, die obendrein regelmäßig Stern TV schauen. Rückblickend muss ich aber feststellen, dass zu dem Zeitpunkt der Markt für eine solche Expansion einfach noch nicht vorhanden war und der Kuchen zu klein ist, um ihn in diesen Maßen zu verteilen.
Ein weiterer Nebeneffekt unserer Medienpräsenz waren die vielen Trittbrettfahrer, die das schnelle Geld verdienen wollten. So hatten wir zu Topzeiten unzählige Wettbewerber auf Ebay, die quasi unser Geschäft einfach nur kopiert haben, zum Teil wurden sogar Artikelbeschreibungen und Templates 1:1 kopiert. Von dieser Gruppe sind kaum noch welche übriggeblieben. Sehr wenige sind in unserem Fahrwasser größer geworden und leben heute genauso wie wir vom Geschäft mit der Displayschutzfolie.
Einige Monate später hatte sich der Markt wieder normalisiert. Es war aus unserer Sicht die Zeit gekommen für Displayschutz 2.0